Der selbst ernannte Anzeigenhauptmeister zieht durchs Land, machte letzte Woche sogar Station in Duisburg. Gleichzeitig steigen die privaten Meldungen von Ordnungsverstößen. Zuletzt wurde bekannt, dass die Stadt Duisburg sogar an einer eigenen App zur vereinfachten Meldung von Parkverstößen arbeitet.
Die Ratsfraktion Junges Duisburg (JUDU) begleitet das kritisch: „In einer Zeit, in der Zivilcourage mehr denn je gefördert werden sollte, stehen wir vor einem schmalen Grat. Auf der einen Seite sollten wir eine Gesellschaft formen, in der jeder dazu ermutigt wird, für das Richtige einzustehen und Unrecht
zu bekämpfen. Auf der anderen Seite sollten wir jedoch nicht den Fehler machen, Denunzianten den roten Teppich auszurollen“, so der Vorsitzende der Junges Duisburg-Fraktion, Frederik Engeln (34).
Die App, die unter dem Deckmantel der Förderung von Sicherheit und Ordnung entwickelt werde und zu Anzeigen animiere, könnte unbeabsichtigt den Nährboden für Denunziation und Missbrauch schaffen. Sollte man wirklich dazu ermuntern, genau die Art von Meldungen zu machen, die eigentlich vermieden werden sollten, fragt sich Junges Duisburg. Denunzianten handelten selten aus dem Wunsch heraus, ein Problem zu lösen oder zu helfen. Ihre Motivation liege oft in niederen Beweggründen, nämlich dem Verlangen, dass jemand bestraft wird und Schaden erleidet. Dieses Verhalten sei destruktiv, so JUDU.
Ein solches Verhalten führe zwangsläufig zu einer Spaltung der Gesellschaft, ist sich Frederik Engeln sicher. „Möchten wir wirklich in einer Stadt leben, in der jeder gegen jeden schießt? Ist das die Art von Gemeinschaft, die wir uns wünschen? Junges Duisburg zumindest möchte das nicht“, betont Frederik Engeln.
„Ich hätte mir schon gewünscht, dass wir eine Debatte darüber führen, ob wir hier in Duisburg eine solche App einführen oder nicht. Immerhin gibt es bereits ein gut funktionierendes, städtisches OnlinePortal, um Privatanzeigen zu machen. Diesen Prozess müssen wir (ausnahmsweise) nicht noch vereinfachen, so Engeln weiter.
Natürlich sei es einfach, dem Denunzieren zu entgehen, indem man sich an Recht und Gesetz halte, gesteht JUDU. Doch in einer hektischen Welt passiere es schnell einmal, dass man sich – ggf. sogar aus Versehen – nicht ganz korrekt verhalte und nicht ganz korrekt parke.
Für Junges Duisburg ist klar: Wenn Normen und Regeln ignoriert werden, leidet das Gemeinschaftsgut, doch man darf nicht den Fehler machen, Denunzianten zu hofieren.
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